Es gibt keine Kampfhunde!

DOCH!!!

Wisst ihr, was die Debatte und Aufklärungsarbeit in Sachen Abschaffung von Rasselisten enorm erschwert und sachliche Diskussionen im Keim ersticken lässt?

a) Es wird behauptet (gerne von Politik, Presse und Leuten, die keine Ahnung haben), dass  bestimmte Rassen kraft Geburt Kampfhunde seien und daher aggressiv und gefährlich wären. Es wird kriminalisiert, stigmatisiert und diskriminiert.

b) Es wird behauptet (gerne von Listenhundhaltern und deren Freunde und Symphatisanten), dass es keine Kampfhunde gäbe. Zumindest keine Rasse Kampfhund. Ja, allerhöchstens nur Kampfschmuser und überhaupt sind sie alle lieb. Es wird verharmlost, verniedlicht, verleugnet.

Beides sind Extreme. Extreme Ansichten, die weit entfernt von Fakten und Realität sind, weil sie jeder sachlichen und realistischen Einschätzung der Gesamtthematik entbehren. Seit Jahrzehnten prallen diese Extreme aufeinander und verfestigen die Meinung des jeweils Andersdenkenden. Eine zielführende Debatte von Rasselistenbefürwortern und Rasselistengegnern kommt so nicht zustande. Wenn jemand sich des Wortes „Kampfhund“ bedient (erst mal egal, aus welchen Gründen das passiert) und dann ausschließlich darauf herumgeritten wird, dass es Kampfhunde ja gar nicht gibt… wie soll dann eine lösungsorientierte Strategie für eine bessere (= rasselistenlose) Hundegesetzgebung entstehen, wenn man bereits bei dieser Wortwahl-Diskussion hängen bleibt und sich die Fronten dadurch bloß verhärten?

Und nun mal die Fakten:

Kampfhunde sind per ursprünglicher Definition erst mal nur Hunde, die vom Menschen für (vorwiegend) Hundekämpfe ausgebildet und missbraucht werden.

Kampfhund ist daher nur ein Wort mit folgender Bedeutung: Hund, der kämpft.

Aus den historischen Kampfhunden haben sich im Laufe der Zeit Rassen gebildet, die vom Menschen züchterisch selektiert wurden. Unter „Kampfhunden“ oder „Kampfhundrassen“ werden daher überwiegend diejenigen Rassen definiert, die historisch betrachtet aus diesen Kampfhunden (Molosser/Mastiffs/Bulldogs/Bull and Terrier/Pit Bull) entstanden.

Und ja, es gibt Kampfhunde (leider)! Hundekämpfe werden verbotenerweise auf dem ganzen Planeten (auch in Deutschland) betrieben. Hierfür werden Hunde verschiedenster Rassen missbraucht, aber Pit, Staff & Co. stehen nach wie vor (eben wegen ihrer historischen Kampfhundvergangenheit) ganz weit oben auf der Liste der bevorzugten Hunde.

In einstiger Kampfhunddebatte und Medienhysterie (90er/2000er Jahre) hat dieses Wort „Kampfhund“ eine neue Definition erhalten. Seither versteht man unter Kampfhunden vorwiegend Hunde, die gefährlich und/oder aggressiv aufgefallen sind. Und ja, das ist  Stuss, wenn man die Historie und Kriterien einstiger „richtiger“ Kampfhunde kennt und weiß, wie menschenfreundlich diese Rassen gerade wegen ihrer Kampfvergangenheit sind, doch muss berücksichtigt werden, dass dieser Wortdefinitionswandel im kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft vollzogen ist. Das ist natürlich nicht schön, da es die Sachlichkeit der ganzen „Kampfhunddebatte“ kompliziert macht. Da kann man noch so oft erwähnen, dass es Kampfhunde nicht gibt oder dass das keine Rasse ist… damit macht man sich leider nur unglaubwürdig in den Augen derer, die wissen oder zumindest ahnen, dass es Kampfhunde (sowie gefährliche Hunde) gibt. Die verstehen erst mal gar nicht, warum es keine Kampfhunde geben soll, es gibt doch unsere Hunde. Für Menschen, die es gar nicht böse meinen, sondern diesen Begriff verwenden, weil es der einzige ist, den sie für diese (unsere) Hunde kennen, ist es völlig abwegig und absurd, weil sie schlichtweg nicht wissen, worauf diese ja durchaus korrekte Aussage abzielt. Gemeint ist, dass Hund ein Hund ist und der Kampfhund erst durch die Hand des Menschen einer wird. Doch das weiß der Großteil der Bevölkerung nicht. Die breite Masse weiß, dass es Kampfhunde gibt und können mit den Begriffen „Rasselisten/ Listenhunde/ gefährliche Hunde“ in der Regel nichts anfangen. Das können die, die betroffen sind, oder sich sonst in irgendeiner Art und Weise mit dem Thema beschäftigt haben. Isso.

Ja, hier sind Medien an erster Stelle und Politik an zweiter Stelle zu nennen, die das mit dem Wort Kampfhund verbockt haben.

Die Medien benutzen dieses Wort, um Schlagzeilen zu generieren. Kampfhund löst halt Emotionen im Menschen aus…wegen dem enthaltenen Wort „Kampf“. Ganz einfach.

Die Politik hat es ähnlich gemacht. Sie benutzt dieses Wort, um irrationale Ängste zu schüren, um die Wählerstimmen von uninformierten Wählern einzufangen.

Das es im Laufe der Jahrzehnte dazu kam, dass kraft Gesetzes in den meisten Bundesländern gefährliche Hunde = Kampfhunde sind oder Kampfhundrassen = gefährliche Hunde oder Pit, Staff & Co. = Kampfhunde = gefährlich, finden wir auch bescheuert, aber es ist eben so passiert. Das wird sich auch nicht ändern, wenn man ins andere Extrem kippt und Leute, die so denken überzeugen möchte, indem man einfach verleugnet, es gäbe überhaupt keine Kampfhunde oder die stigmatisierten Rassen wären allesamt nur Schmuser, total lieb usw.

Es gibt gefährliche Pit, Staff & Co. – Fakt ist aber, dass die Gefährlichkeit nicht die Rasse macht, sondern Hunde solch komplexe Lebewesen sind, dass – wie bei uns Menschen – mehrere Faktoren neben Genetik eine Rolle spielen.

Und weil das so ist und wissenschaftlich durch zahlreiche Studien belegt wurde, kämpfen wir für unsere Hunde, damit Rasselisten endlich aus den Gesetzen, Verordnungen und Satzungen verschwinden und gegen Hundekämpfe mit allen Mitteln vorgegangen wird!

Aber man muss die Leute dort abholen, wo sie stehen und sie stehen unwissend erst mal dort, wo es heißt:

Kampfhund.

Kampfhund.

Kampfhund.

Bildquelle: Mit freundlicher Genehmigung von DOGnews – Die Seite

 

 

 

 

 

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